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Land unter – der Hafen bei Sturmflut

Es fängt ganz harmlos an - mit einer kurzen Zeile vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie, die per Fax und SMS beim Hafenmeister landet. Eine Zeile, die es allerdings in sich hat:

„Nacht-Hochwasser erhöht um 2,5 bis 3 m".

Das bedeutet: Sturmflut!

Kleine Meldung – große Wirkung.

Jetzt schrillen alle Alarmglocken bei Hafenmeister Timo Kiekow und seinem Team. Es gilt, den Hafen gegen die herannahenden Naturgewalten abzusichern und die Menschen, Autos und Einrichtungen zu schützen.

Der Fahrstuhl im Servicegebäude „Tor zu den Inseln" wird gesperrt. Mit schweren Drucktüren und Stahlplatten sichern die Männer von der Hafengesellschaft Eingänge und Fensterflächen. Autos und Besucher werden auf die sicheren Bereiche außerhalb des Hafengeländes geführt. Der Parkscheinautomat und alle Papierkörbe werden abgebaut und sturmfest verstaut. Alles, was lose herumliegt, wird eingesammelt.

Geschafft! Jetzt kann die Flut kommen.

Was passiert eigentlich bei einer Sturmflut?

Wir alle kennen den normalen Verlauf von Ebbe und Flut an der Nordseeküste mit Niedrigwasser und Hochwasser. Ein natürlicher Rhythmus, der das Leben hier im hohen Norden bestimmt.

Aber bei der Sturmflut ist alles anders: Der anhaltende Wind in Orkanstärke hindert das Wasser daran, bei Ebbe wieder abzulaufen. Mit jeder Flut steigt dadurch der Wasserpegel, und in kurzer Zeit türmen sich die Wassermassen so weit auf, dass der normale Hochwasserstand von 6,30 nun auf über 9 Meter ansteigt. Wind und Wellen werden dann zur tödlichen Bedrohung für das Leben an der Küste.

Hier steht das Wasser bis zum Hals – und darüber!

Die Bilder zeigen eindrucksvoll, wie sich der Hafen bei einer Sturmflut verändert. Flächen, die vorher noch begehbar waren, stehen nun meterhoch unter Wasser.

„Eine Gefahr, die viele Schaulustige immer noch unterschätzen", sagt der Hafenmeister. Immer wieder müssen er und sein Team unvernünftige Orkan-Touristen davon abhalten, sich in Gefahr zu bringen.

Timo Kiekow weiß, wovon er spricht. Denn alleine 2013 gab es 3 schwere Sturmfluten, die er zusammen mit seinem Team erfolgreich gemeistert hat.

Die unbändige Kraft der Natur.

Trotz aller Schutzmaßnahmen richtet eine Sturmflut immer wieder schwere Schäden an. Orkantief Xaver hinterließ Anfang Dezember 2013 im Hafen Dagebüll ein Bild der Verwüstung. Orkanböen mit mehr als 190 km/h und Wassermassen von unglaublicher Menge und Stärke zerstörten die schweren Sicherheits-Glasscheiben am Gebäude „Tor zu den Inseln" und knickten zentimeterdicke Stahlkonstruktionen um wie Grashalme.

„Dagegen ist kein Kraut gewachsen.", weiß Timo Kiekow zu berichten. „Wir können aus jeder Sturmflut nur lernen, und wir müssen uns für die Zukunft auf weitere schwere Sturmfluten einrichten – denn nicht der Mensch bestimmt das Leben an der Küste, sondern einzig die Natur."